Richtig Ansäen

Die wichtigsten Tipps, damit artenreiche Ansaaten gelingen!

Autochthones Saatgut ist zu kostbar, um es nicht optimal einzusetzen. Denn auch das beste Saatgut führt nur bei einer fachgerecht durchgeführten Ansaat und Pflege/Bewirtschaftung zum Erfolg.

Standortwahl
Auf fast jedem Standort (Boden, Exposition, Höhenlage etc.) können artenreiche, stabile Wiesen erfolgreich angelegt werden – vorausgesetzt, es werden die richtigen Arten fachgerecht angesät und

die anschliessende Pflege erfolgt dem Pflanzenbestand angepasst.

Schwierig für die Neuansaat artenreicher Wiesen sind:

  • Schattige und/oder kleine Flächen. Unter diesen Bedingungen können Schnecken die meisten angesäten Arten bereits im Keimlingsstadium vollständig eliminieren. Was zurückbleibt sind eintönige, artenarme Bestände, die oft nur noch aus Gräsern und Spitzwegerich bestehen.
    Tipp: Anzusäende Flächen, die von bestehenden Wiesen oder Gehölzen umgeben sind, sollten nicht schmaler als 6 m sein.

  • Entwässerte Moorböden mit ausgeglichenem Wasserhaushalt. Unter diesen Voraussetzungen werden durch den Abbau des Torfs so viele Nährstoffe freigesetzt, dass wenige Arten zur Dominanz gelangen und die meisten der angesäten Arten verdrängen. Unter dieser (seltenen) Voraussetzung lohnen sich artenreiche Ansaaten in der Regel nicht.

  • Flächen, die mit Ackerkratzdisteln, Stumpfblättrigem Ampfer („Blacke“) oder invasiven Neophyten (z.B. Goldruten, einjähriges Berufskraut) verunkrautet sind bzw. waren, können nach einer Ansaat meist nur mit viel Aufwand „saniert“ werden. Praktisch alle anderen Arten (insbesondere einjährige!), die landläufig als Unkraut bezeichnet werden, sind bei einer fachgerechten Pflege kein Problem für die gewünschte Entwicklung des Wiesenbestandes!

Generell gilt: Auf mageren Böden können sich mehr Pflanzen- und Tierarten und auch seltenere Arten entwickeln als auf nährstoffreichen. Auf sehr armen Böden ist die Artenvielfalt dagegen wieder geringer, und die Ansaat gestaltet sich oft schwierig, insbesondere auf kiesigen Rohböden mit geringem oder fehlendem Feinkornanteil (Sand, Schluff, Ton). Südexponierte oder schattige Lagen verschärfen die Situation noch. Böden mit einer mittleren Nährstoff- und Wasserversorgung führen auf der anderen Seite meist zu blumenreicheren Beständen als arme Böden. Aber auch auf vorher intensiv genutzten, nährstoffreichen Böden lassen sich blumen- und artenreiche Wiesen erfolgreich etablieren (sogenannte „Fromentalwiesen„).

Empfehlung: 

Böschungen mit kiesigem Rohboden 2-3 cm mit nährstoffarmem Oberboden (Humus) überführen oder einen Anteil von 20-30% nährstoffarmen, unkrautfreien Oberboden dem Kies beimischen. So vorbereitete Böschungen bieten optimale Voraussetzungen für die Entwicklung einer stabilen, artenreichen Vegetation mit hohem Erosionsschutz.

Saatbettvorbereitung
Ein vegetationsfreies, gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansaat.
Der Boden kann durch Pflügen oder mehrmaliges Eggen vegetationsfrei gemacht werden, in speziellen Fällen auch durch Abdecken mit schwarzer Gärtnerfolie; Abspritzen mit Herbiziden ist nicht zu empfehlen. Einsaaten (Übersaaten) in bestehende Wiesen ohne Entfernen des alten Wiesenbestandes führen nie zum Erfolg!
„Gut abgesetzter Boden“ heisst: Die letzte tiefere Bodenbearbeitung (Pflügen, Eggen, Aufbringen einer Bodenschicht) liegt mindestens drei Wochen vor der Ansaat. Grund: Ist der Boden bei der Ansaat zu locker, fehlt der sogenannte Bodenschluss, und die jungen Keimlinge laufen Gefahr, nicht richtig wurzeln zu können; zudem ist die Wasserzufuhr aus dem Unterboden mangelhaft.
Unmittelbar vor der Saat darf der Boden falls nötig („Unkrautkur“) nur noch sehr flach (ca. 3 cm tief) geeggt oder gefräst werden.

Saatzeitpunkt
Die Ansaaten sollten wenn immer möglich im April oder Mai erfolgen*. Spätere Ansaaten können durch Trocken- und Hitzeperioden empfindlich beeinträchtigt werden (v.a. die Gräser)*. Bei Herbstansaaten sind die Verluste über den Winter ebenfalls meist beträchtlich (insbesondere der Kräuter/Wiesenblumen). Können Ansaaten, z.B. aus Gründen des Erosionsschutzes, nicht im April oder Mai erfolgen, bietet sich der Einsatz von Zwischen- und Deckfrüchten an. Eine Beratung von Fachpersonen ist dabei zu empfehlen.

* Gilt selbstredend nicht für Mahdgutübertragungen, die bei optimaler Reife der Spenderflächen durchgeführt werden müssen, also in der Regel im Juni oder Juli.

 

Saat
Die angegebene Saatmenge wird je nach Situation und Ausrüstung von Hand oder mit geeigneten Maschinen (Hydroseeder, Sämaschine, Düngerstreuer etc.) oberflächlich ausgebracht. Saatgut nicht in den Boden einarbeiten! Bei kleineren Flächen empfiehlt sich eine Handsaat, wobei je die Hälfte des Saatgutes kreuzweise ausgebracht wird, um eine gleichmässige Saat sicherzustellen. Auf lockeren Böden (z.B. Landwirtschaftsflächen) muss unmittelbar nach der Saat gewalzt werden. Geeignet sind Gliederwalzen (z.B. Cambridgewalze). Kleine Flächen können auch „angeklopft“ oder „angestampft“ werden.

Nachsaatpflege im Ansaatjahr
Fast alle Pflanzen artenreicher Wiesen keimen erst einigen Wochen nach der Ansaat und entwickeln sich auch danach nur sehr langsam. Das „Unkraut“ dagegen lässt sich meist nicht lumpen: Vor allem auf humosen Böden können einjährige Pflanzen aus der bodenbürtigen Samenbank schon nach kurzer Zeit überhand nehmen.
Jetzt heisst es Ruhe bewahren, denn dies ist völlig normal und beeinträchtigt die spätere Entwicklung der Wiese in keiner Weise. Wichtig ist jedoch, dass nicht zu lange mit dem sogenannten Pflegeschnitt zugewartet wird, damit die Keimlinge der angesäten Arten nicht unter einer dicken Pflanzendecke untergehen.
Faustregel: Sobald der Boden nach der Ansaat stellenweise so stark mit „Unkraut“ bedeckt ist, dass er nicht mehr sichtbar ist, sollte ein Pflegeschnitt durchgeführt werden:

  • Hoch mähen (5-10 cm).

  • Das Mähgut muss abgeführt werden.

  • Eventuell muss der Pflegeschnitt im Ansaatjahr ein zweites Mal durchgeführt werden, wenn sich die einjährigen Arten nochmals rasch entwickeln. Es ist aber auch gut möglich, dass überhaupt kein Pflegeschnitt nötig ist, sofern sich nur wenig „Unkraut“ entwickelt und immer genügend Licht auf den Boden fällt.

Wichtig ist, im September nochmals einen Blick auf den Bestand zu werfen: Die Vegetation sollte nicht höher als fausthoch in den Winter gehen, damit die jungen Pflänzchen nicht mit einer Streueschicht zugedeckt werden.
Entwickeln sich Blacken oder invasive Neophyten, empfiehlt es sich, diese bereits im Ansaatjahr zu zupfen. Bei allem anderen „Unkraut“ hilft Jäten nichts, im Gegenteil, der Schaden wäre grösser als der Nutzen, der Pflegeschnitt reicht vollauf.
Denken Sie daran: Im Ansaatjahr ist von den angesäten Arten noch so gut wie nichts zu sehen, und es ist nur schwer zu beurteilen, ob eine Ansaat gelungen ist oder nicht.

Bewirtschaftung/Pflege in den Nachfolgejahren
Erst im Jahr nach der Ansaat lässt sich erkennen, ob sich die Saat gut entwickelt, und das Gesicht der zukünftigen Wiese beginnt sich nach und nach zu zeigen. Es dauert aber je nach Standort und angesäten Arten meist nochmals ein Jahr oder mehr, bis sich alle Pflanzen richtig etabliert haben und sich ein stabiler Pflanzenbestand entwickelt hat.
Wie bei einem guten Wein ist bei der Neuansaat artenreicher Wiesen also Geduld angesagt! Gut Ding will Weile haben.

Doch bereits jetzt, im Jahr nach der Ansaat, kann zur regulären Pflege/Nutzung mit jährlich ein bis zwei Mähschnitten übergegangen werden. Die Mahd muss unbedingt dem angestrebten Pflanzenbestand und damit den angesäten Arten angepasst sein. Generelle Empfehlungen sind hier schwierig.

Folgendes lässt sich aber allgemein festhalten:

  • Mehr als zwei Mähschnitte sind bei ungedüngten Wiesen in keinem Fall nötig, sondern schaden der Artenvielfalt und verursachen darüber hinaus unnötig Aufwand, Kosten und Ressourcenverbrauch.

  • Die Mahd sollte in der Regel rund 1-2 Wochen nach der Hauptblüte der Wiese durchgeführt werden, damit ein Absamen möglich ist. In vielen Fällen liegt der optimale erste Schnittzeitpunkt in den tieferen Lagen im Juni oder in der ersten Julihälfte.

  • Wo keine Vorgaben für den ersten Schnittzeitpunkt bestehen (z.B. bei Ökoflächen in der Landwirtschaft), ist eine jährliche Variation des Schnittregimes für die Artenvielfalt förderlich (mal eher früh, mal eher spät mähen etc.).

  • Bei der Mahd immer kleine Reste stehen lassen, damit sich dort Tiere in die verbleibenden Strukturen zurückziehen und sich spät blühende Arten noch bis zur Samenreife entwickeln können. Am besten ist es, bei jedem Schnitt 5-10% der Fläche in Form von Rückzugsstreifen ungemäht zu lassen, jedes Mal wieder an einem anderen Ort. Empfehlenswert ist auch eine gestaffelte Mahd (kleinflächig unterschiedliche Schnittzeitpunkte), wo dies vom Aufwand her möglich ist.

  • Wenn möglich nach der Mahd Bodenheu bereiten, d.h. das Gras am Ort an 2-3 niederschlagsfreien Tage trocknen, damit die Pflanzensamen ausreifen und ausfallen können.

  • Das Mähgut ist auf jeden Fall abzuführen. Mulchen vermindert in der Regel die Pflanzenartenvielfalt rasch.

  • Entwickeln sich Stumpfblättriger Ampfer („Blacken“) oder invasive Neophyten wie amerikanische Goldruten oder Einjähriges Berufskraut, müssen diese regelmässig und möglichst von Beginn an gejätet werden. Je früher und konsequenter man damit beginnt, desto mehr Arbeit lässt sich längerfristig sparen.

Quelle: holosem.ch / Ö&L Büro für Ökologie & Landschaft GmbH

 
 
 
 
 
 

 

 

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